Die Franzosen sind mit Abstand die ungeschlagenen Urlaubsweltmeister gemessen an den freien Tagen. Die Italiener sind die klare Nummer eins beim Urlaubsverzicht. Die Briten bilden mit den wenigsten verfügbaren Ferientagen das Schlusslicht im europäischen Urlaubs-Ranking – und die Deutschen?
Eine internationale Studie des Reiseportals Expedia hat Urlaubsanspruch und -verhalten der reiseaktivsten Nationen untersucht. Darin werden deutliche Unterschiede in der Anzahl der Urlaubstage und der Art und Weise, in der diese genutzt werden, offenbar.
Mit über 38 freien Tagen nehmen die Franzosen die Poleposition im Urlaubs-Ranking ein. Platz zwei und drei belegen die südeuropäischen Nachbarn Italien (31 Tage) und Spanien (30 Tage). Allerdings bleiben im Land des Dolce Vita durchschnittlich rund sechs Urlaubstage pro Jahr ungenutzt, soviel wie in keinem anderen Land. Insgesamt nehmen 44 Prozent der Italiener nicht ihren kompletten Urlaub. Dicht auf den Fersen sind ihnen die Österreicher:
Workaholics brauchen Urlaub: Die Deutschen und ihr Pflichtgefühl
Die Deutschen und die Österreicher sind Arbeitstiere mit Leib und Seele: jeder zehnte befragte Bundesbürger und 14 Prozent der Alpenländler stimmen der Aussage „Meine Arbeit ist mein Leben“ zu – mehr als jede andere europäische Nation. 43 Prozent der Deutschen arbeiten regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche. Rund jeder Dritte hat schon einmal seinen Urlaub aufgrund von Arbeit verschoben oder abgesagt und 18 Prozent checken sogar im Urlaub ihre geschäftlichen E-Mails. Ähnlich arbeitswütig sind nur die Österreicher.
Als Ausgleich für den Arbeitsstress nimmt der Urlaub bei den Deutschen einen zentralen Stellenwert ein: 39 Prozent fühlen sich nach den freien Tagen wieder produktiver im Job. 42 Prozent haben sich regeneriert und kehren erholt zurück. Folglich lassen derzeit drei von vier Bundesbürgern keinen Urlaubstag ungenutzt. Im Durchschnitt verbleiben nur zwei Tage Resturlaub – die geringste Zahl im europäischen Vergleich.
Was den Deutschen ihr Urlaub wert ist
Im Jahresvergleich nimmt die Arbeitsbelastung tendenziell zu: Aktuell geben 24 Prozent der Deutschen an, nicht ihren kompletten Urlaub zu nehmen – ein Anstieg von fünf Prozent im Vergleich zu 2008. Doch der Wunsch nach mehr Freizeit ist groß. Immer mehr Deutsche sind bereit, für einen zusätzlichen Urlaubstag auf einen Teil ihres Gehaltes zu verzichten. Nach 34 Prozent im vergangenen Jahr äußern 2009 bereits 39 Prozent der Deutschen ihr Interesse daran. Vor allem die jüngeren Deutschen bis 24 Jahre sehnen sich nach mehr Ferien. 37 Prozent von ihnen ist der extra freie Tag bis 500 Euro wert und 17 Prozent sogar über 500 Euro. Interessanterweise sind zwölf Prozent mehr Männer als Frauen zum Tausch „Urlaub gegen Geld“ bereit.
Schlaraffenland Europa
Gemessen an den verfügbaren Urlaubstagen liegen die Europäer weit vor den Nationen in Übersee. Waren die USA viele Jahre das Land, dessen Berufstätige am häufigsten ihre Urlaubstage liegen ließen, haben sie diese Position 2009 mit nur noch 34 Prozent an die Neuseeländer (45 Prozent), die Italiener und die Australier (je 44 Prozent) abgegeben. Das ist aber alles kein Vergleich zu den Japanern, bei denen 92 Prozent ihren verfügbaren Urlaub nicht komplett nehmen.
Übersicht: Durchschnittliche Zahl verfügbarer Urlaubstage
1. Frankreich: 38
2. Italien: 31
3. Spanien: 30
4. Deutschland: 27
4. Österreich: 27
5. Großbritannien: 26
6. Neuseeland: 21
7. Kanada: 19
7. Australien: 19
8. Japan: 15
9. USA: 13
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