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Reise Tipps & Service

Pilger-Bücher zum Jakobsweg - Gedanken auf Wanderschaft


© pilgern, pilgerreise

Ob religiöse Erfahrung, spirituelles Erlebnis oder sportliche Herausforderung - immer mehr Menschen begeben sich auf eine Pilgerreise. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich derzeit die Jakobswege, insbesondere der „Camino Francés“ zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela. Auch manch prominenter Pilger, wie Hape Kerkeling oder Oli.P, hat sich bereits mit Rucksack, Stock und Wanderschuhen auf die beschwerliche Reise begeben. Daheimgebliebene können sogar vom Sofa aus Pilger-Luft schnuppern, denn einige Wallfahrer haben ihre Gefühle und Gedanken in Büchern festgehalten.

Die folgenden drei Pilgerbücher stellen eine kleine Auswahl aus dem großen Angebot der Jakobsweg-Literatur dar. Das erste Werk ist ein preiswert-praktischer Leitfaden für potentielle Pilger, während in Hape Kerkelings humorvollem Bestseller der Unterhaltungswert ganz weit oben steht. Kritisch-britisch und eigenwillig-komisch kommen Tim Moore und sein Esel im dritten Buch schließlich doch noch in Santiago an.

Raimund Joos: Outdoor - Pilgern auf den Jakobswegen
(erschienen Februar 2008)

Outdoor

Wer nicht nur über das Pilgern lesen möchte, sondern selbst eine solche Reise plant, der findet in Pilger-Handbüchern viele praktische Tipps. Anwendbares Basiswissen für die Jakobswege bietet der gut strukturierte Leitfaden von Dr. Raimund Joos. Der Autor weiß, wovon er schreibt, denn seit 1988 lebt er in Eichstätt, direkt am oberbayerischen Jakobsweg. In Deutschland, Spanien und in Frankreich hat er bereits einige der Pilgerstrecken selbst erwandert und kennt sich als ehemaliger Herbergsvater bestens mit den Bedürfnissen der Reisenden aus. Alle für einen Pilger wesentlichen Fragen werden in den kurzen Kapiteln angesprochen, darunter die Pilger-Kosten, der beste Reisezeitpunkt und die richtige Ausrüstung. Durch prägnante Überschriften wie „Pilgern mit Hund“ oder „Allein unterwegs“ kann der Leser auf den ersten Blick erkennen, ob ihn das folgende Kapitel interessiert – auch schnelles Querlesen ist kein Problem. Einen zügigen Überblick verschaffen verschiedene Symbole, mit denen Kontaktadressen oder Buchtipps rasch zu finden sind.
Dass hier ein Insider schreibt, ist beim Lesen der 157-Seiten starken Broschüre direkt zu spüren: Raimund Joos folgt stets seinem eigenen Ratschlag, keinen unnötigen Ballast mit auf die Reise zu nehmen und bleibt in allen Kapiteln beim Wesentlichen.

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Hape Kerkeling: „Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg“
(erschienen Oktober 2007)

Outdoor

Wenn ein Comedian auf den Spuren einer uralten katholischen Tradition wandelt, wird diese Reise eines ganz sicher nicht - gewöhnlich. Dass aber auch ein TV-Entertainer mit ganz alltäglichen Problemen wie Erschöpfung, Hunger oder Unlust zu kämpfen hat, das beweist Hape Kerkelings ehrlicher Erfahrungsbericht. Schon von der ersten Seite an ist der Leser mitten drin im Pilgerleben und fühlt sich fast, als sei er selbst auf dem beschwerlichen Weg durch Frankreich und Spanien unterwegs. In unterhaltsamen Anekdoten weiß der Komödiant besonders zu Beginn des Buches seine Leser bestens zu unterhalten. So kommt er im landwirtschaftlichen Lieferwagen einem Widder mit Würgereiz etwas zu nah und belauscht ein Stück weiter die klischeehaften Debatten eines pilgernden Ehepaares, die Loriot nicht schöner hätte schreiben können. Kerkeling verkauft sich keineswegs als heldenhafter Pilger, sondern schreibt offen über seine Schwächen. So sucht er beispielsweise zwischendurch Hotelunterkünfte auf, da ihm die Pilgerherbergen teils zu überfüllt und schmutzig erscheinen oder er kürzt, am Ende seiner Kraft, ein Wegstück durch eine Zugfahrt ab.
Immer wieder schildert Kerkeling seine Begegnungen mit anderen Pilgern, aus denen sich teils gute Freundschaften ergaben. Zum Ende der Strecke wird jedoch nicht nur der Weg, sondern auch das Lesen zunehmend beschwerlich. Statt interessante oder lustige Einblicke in Hapes Gedanken zu eröffnen, wird die Lektüre streckenweise langatmig und widmet sich zu stark der Tatsache, wer wen wiedertrifft und wo man wann einkehrt. Nichtsdestotrotz ist der Bestseller jedem zu empfehlen, der einen unterhaltsamen wie nachdenklichen Einblick in den Pilgeralltag sucht und den bekannten Pilger ein Stück auf seinem Camino begleiten will.

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Tim Moore: „Zwei Esel auf dem Jakobsweg - Wie ein Engländer sein Herz an Spanien verlor“
(erschienen Oktober 2008)

Outdoor

Very britisch, satirisch und schonungslos kritisch ist der Reisebericht des Engländers Tim Moore. Auch wenn das Buch eine Pilgerreise beschreibt - religiöse Reflexionen wird der Leser auf den 360 Seiten fast vergebens suchen. Moore betrachtet das Pilger-Brauchtum höchst sachlich und riskiert dabei, überzeugten Katholiken schon mal auf die Füße zu treten.
Wer seine Sticheleien jedoch nicht allzu ernst nimmt, hat von Beginn an viel zu lachen. Besonders wenn der britische Reisejournalist mit Worten spielt und von sammelbaren „Sündenmeilen“ oder dem „Pilger-Hattrick“ Rom, Jerusalem, Santiago berichtet, wird der Leser stets aufs Neue zum Weiterlesen animiert.
Den kursierenden Kult um den Jakobsweg betrachtet der Engländer aus nüchterner Distanz: Die Legenden rund um den Heiligen Jakobus erinnern Moore beispielsweise an Szenen aus dem Film „Das Leben des Brian“.
Auch wenn das Pilgern für Moore mal wieder länger dauert, weil Esel Shinto einfach nicht weiter will, wird es für den Leser amüsant. So können selbst ein „roter Teppich“ aus Jacken und der Tonband-Lockruf des Besitzers den sturen Esel nicht über die Holzbrücke bewegen. Doch Ende gut, alles gut: Ausgerechnet Moors kleine Tochter schafft es schließlich, das Tier umzustimmen - und plötzlich kann Shinto über Brücken gehen. Da macht sich der geneigte Leser so seine Gedanken und fragt sich hin und wieder belustigt „Welcher der beiden Reisegefährten ist nun eigentlich der Esel?“

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