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Themenreisen

Millionenmetropole zwischen Tradition und Moderne - Ein Tag in Peking

Auf dem Tisch vor mir stapeln sich Reisschälchen, Tee-Sets und Jade-Figuren zu einem bizarren Kunstwerk. Verglichen mit den Eindrücken, die mir im Kopf herumschwirren, wirkt das Durcheinander meiner Souvenirs aber fast schon geordnet. Diese Reise war wirklich aufregend- ich bin ganz schön fertig und muss erstmal die Eindrücke von einem Peking-Kurztrip nachklingen lassen. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich allein im Urlaub- und dann direkt 8000 km von meinem Heimatdorf in Franken entfernt, in Chinas 16 Millionen Einwohner Hauptstadt. Schon der erste Tag war so erlebnisreich, dass ich ihn hier einfach einmal zu Papier bringen möchte:

Als ich nach dem neunstündigen Flug und mit sechs Stunden Zeitverschiebung am frühen Morgen asiatischen Boden betrat, machte ich mich auf die Suche nach einem Taxi, das mich zu meinem Hotel bringen sollte. Bereits jetzt bekam ich den ersten Eindruck davon was es heißt, in einem vollkommen fremden Land zu sein: Als ich dem Taxifahrer den englischen Namen meines Hotels nannte, sah er mich nur fragend an. Erst als ich in meinen Reiseunterlagen den Hotelnamen in chinesischer Schrift fand, konnte die Fahrt über die Autobahn endlich beginnen. Meine Freude darüber war allerdings schnell verflogen, denn aus dem Taxifenster sah ich auf graue Betonklötze, die einander ähnelten, wie ein Ei dem anderen. Das konnte doch unmöglich Peking sein, die Stadt der Prachtbauten und Paläste. Zu meiner Erleichterung änderte sich dieses Bild jedoch schlagartig, als wir von der Autobahn herunter mitten in die Stadt fuhren. Dort staunte ich nicht schlecht, denn rechts und links von mir standen moderne Hochhäuser mit Fassaden aus Glas und blinkender Neonwerbung. Ein kommunistisches Land in Asien hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt, und mein Hotel wäre in Europa auch kaum aufgefallen.

Hütten und Hochhäuser: Sightseeing in Peking

Nachdem ich mein Gepäck verstaut hatte, entschloss zu einer Entdeckungstour durch die Stadt. Auf meinem Weg durch die belebten Straßen bestätigte sich mein erster Eindruck: Ich war umgeben von modernen Hochhäusern, die am Horizont unter einer Dunstglocke aus graugelbem Smog verschwanden. Hier und dort lugten jedoch kleine Hütten, die ursprünglichen Hutons mit goldenen Drachen am Giebel und kunstvollen Verzierungen hervor, von denen einige gut restauriert waren. So hatte ich mir Peking vorgestellt, leider habe ich nicht mehr allzu viele davon gesehen. Aus einigen der Häuser roch es nach gebratenen Nudeln und Hühnersuppe, die in lampiongeschmückten Restaurants serviert wurden. Nun war ich richtig in Stimmung, das ursprüngliche Peking zu erkunden und ich machte auf den Weg zum Platz des Himmlischen Friedens. Dort angekommen, war ich einfach überwältigt: 500 Meter Breite und 880 Meter Länge hatte ich mir zwar durchaus groß vorgestellt, aber als ich auf dem Tian’anmen mit Blick auf das Tor des Himmlischen Friedens stand, fühlte ich mich auf dem größten Platz der Welt auf einmal richtig klein. Ein bunt gemischtes Publikum traf sich dort, denn an steifen Wachleuten in Uniform strömten fliegende Händler, Touristen und Schulklassen vorbei. Einen netten Anblick gab allerdings auch die Vielzahl der bunten Drachen ab, die Jung und Alt auf dem Platz steigen ließen.

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Abseits der Touristen-Pfade

Nach den ersten Eindrücken der touristischen Highlights ging es weiter- und jetzt war ich gespannt, ob ich es als vollkommener Asien-Anfänger schon mit dem Straßengewirr der Megastadt aufnehmen konnte. Ein Freund, der bereits in Peking war, hatte mir nämlich einen Insider-Tipp mit auf den Weg gegeben, der nicht in jedem Reiseführer zu finden war: In Peking sollte es eine Stadt unter der Stadt geben. Das hörte sich spannend an, ich musste nur erstmal den richtigen Weg finden. Nachdem ich mit meinem Stadtplan abseits der Touristenströme durch die Straßen des chinesischen Alltags umhergeirrt war und manchmal nur knapp einem Zusammenstoß mit Radfahrern entging, von denen es in dieser Stadt tausende zu geben schien, war ich endlich am Ziel: Ganz unscheinbar und südlich des Tian’anmen gelegen befand sich in einem kleinen Laden einer der 90 Eingänge zur unterirdischen Stadt, deren Gänge kilometerweit bis zum Meer reichen sollten. Ein Plan an der Wand zeigt den Verlauf des vernetzten Tunnelsystems, das Mao einst zum Schutz vor Kriegen bauen ließ. Als ich an den alten Kammern vorbeiging konnte ich anhand der Schilder sogar noch erkennen, das hier früher Küchen oder Krankenzimmer waren. Nach dem Ausflug in die Unterwelt war ich jedoch ganz froh, das Tageslicht wieder zu sehen, auch wenn die stickige Luft über der Erde kaum besser war. Mittlerweile war es schon Nachmittag geworden und die schwüle Hitze schlauchte mächtig, einen zweiten Tipp meines Freundes wollte ich mir aber heute noch anschauen: das Stadtviertel Sanlitun im Osten Pekings. Diesmal wurde ich schneller fündig, denn neben den chinesischen Schriftzeichen gab es zum Glück auch englische Straßenbezeichnungen, und ich traf schneller als erwartet im Unterbezirk Chaoyang District in Sanlitun ein. Nun ließ ich mich erstmal an einem der Tische des belebten Kneipenviertels nieder, um die vorbeischlendernden Menschen zu betrachten. Sowohl jüngere Einheimische als auch Geschäftsleute und Touristen mischten sich in diesem eleganten Viertel mit Flair. Ein Englisch sprechender Kellner erzählte mir, dass der Bezirk zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele noch mal richtig herausgeputzt worden war. Er gab mir auch den Hinweis, auf dem Markt von Yaxiu vorbeizuschauen, auf dem man günstig Kleidung und andere chinesische Artikel kaufen kann.
Am Abend meines ersten Tages in Peking saß ich daher in meinem neuen Seidenhemd am Hotel-Buffet und war gespannt darauf, welche Erlebnisse wohl morgen in dieser modern-historischen Millionenmetropole auf mich warten würden...



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