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Reisemängel

Albtraum Urlaub – was tun bei Reisemängeln?

Die schönste Zeit des Jahres sollte es sein, Entspannung und Erholung vom Alltags-Stress bieten. Doch allzu oft kommt es ganz anders: Überbuchte Flüge, Kakerlaken im Hotelzimmer oder Baulärm am Pool können den Urlaub schnell zum Albtraum werden lassen. smavel.com zeigt, wie Sie sich richtig verhalten wenn Reisemängel auftreten.

Wochen oder Monate der Vorfreude auf den wohlverdienten Urlaub können binnen kurzer Zeit dahin sein, wenn der Flug überbucht ist oder sich das gebuchte idyllische Hotel vor Ort als 1000-Zimmer-Klotz herausstellt. „Flugverschiebungen oder -Verspätungen zählen zu den häufigsten Beschwerden, die uns erreichen“ berichtet Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin. „Ebenfalls weit vorne in dieser negativen Hitliste stehen Probleme mit der Unterkunft sowie Lärmbelästigung.“

Wann liegt ein Reisemangel vor?

Um einen Reisemangel handelt es sich, wenn die tatsächlichen Reiseleistungen des Veranstalters von den im Reisevertrag beschriebenen abweichen, wenn sich also beispielsweise Prospektbeschreibungen deutlich von der Realität unterscheiden, oder aber vereinbarte Leistungen gar nicht erbracht werden. Ist der im Prospekt beworbene neue Swimmingpool bei Ihrer Ankunft noch eine Bauruine, an der täglich lautstark gearbeitet wird, handelt es sich ebenso um einen Reisemangel wie in dem Fall, dass tagelang das Wasser zum Duschen ausfällt.

Wenn es sich jedoch um bloße Unannehmlichkeiten oder landestypische Eigenheiten handelt liegt in der Regel kein Reisemangel vor. So sind beispielsweise vereinzelt auftretende Insekten in südlichen Hotelzimmern noch kein Grund für eine Reisepreisminderung, anders sieht es wiederum aus, wenn gehäuftes Auftreten von Insekten oder gar eine Plage besteht.

Ob tatsächlich ein Mangel vorliegt wird von Gerichten in jedem Einzelfall geprüft. Deshalb sollten Sie wissen was zu tun ist, wenn in Ihrem Urlaub nicht alles wie gewünscht läuft. „Der häufigste Fehler von Urlaubern besteht darin, sich mit der Anzeige des Mangels vor Ort zu lange Zeit zu lassen“, warnt Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin.

Was tun wenn Reisemängel auftreten?

Wenn in Ihrem Urlaub ein Mangel auftritt sollten Sie nicht lange zögern. „Der Mangel ist vom Reisenden unverzüglich anzuzeigen. Gleichzeitig sollte dem Reiseveranstalter eine angemessene Frist zur Abhilfe gesetzt werden“ erläutert Rechtsanwältin Silke Turk aus Emmerich. „Der Mangel ist gegenüber der Stelle anzuzeigen, die der Reiseveranstalter in der Reisebestätigung anzugeben verpflichtet ist. Ansonsten ist die örtliche Reiseleitung die zuständige Stelle. Wichtig: Die Hotelrezeption beispielsweise reicht nicht aus!“ Haben Sie versäumt, bereits am Urlaubsort den Mangel anzuzeigen, stehen Ihre Chancen schlecht, nach der Rückkehr eine Reisepreisminderung durchzusetzen.

Was aber gilt es zu tun, wenn der angemahnte Mangel nicht beseitigt wurde? „Wichtig ist, dass die Ansprüche, sei es nun Minderung oder Schadensersatz, innerhalb von einem Monat nach dem vertraglich vorgesehenen Ende der Reise geltend zu machen sind. Die Mängelanzeige vor Ort und das Abhilfeverlangen reichen nicht, sie sind nur die Vorraussetzung für die spätere Geltendmachung der Rechte“ erklärt Silke Turk.

Wenn Sie nach der Reise Ansprüche gegen den Veranstalter geltend machen möchten, stehen Sie in der Beweispflicht. Deshalb sollten Sie ein so genanntes Mängeltagebuch erstellen, in dem Sie Datum und Uhrzeit des Mangels ebenso festhalten wie eventuelle Zeugen benennen und Fotos einfügen. Nur der konkrete und belegbare Nachweis von Mängeln hat vor Gericht Bestand. Die Verjährungsfrist beträgt dabei in der Regel zwei Jahre, kann aber vom Veranstalter in dessen AGB verkürzt werden.

Übrigens: Bietet Ihnen der Veranstalter vor Ort eine Wiedergutmachung für einen Mangel an, etwa einen Ausflugs-Gutschein oder eine Gutschrift für eine zukünftige Reise, und Sie nehmen diesen an, haben Sie damit weitergehende Ansprüche verwirkt. In der Praxis ist dieser Ausgleich in weniger schlimmen Fällen einem Rechtsstreit jedoch sicher vorzuziehen.

Was springt für mich dabei raus?

Wenn Sie Ihre Ansprüche auf dem Rechtsweg geltend machen wollen ist es in jedem Fall empfehlenswert, einen Rechtsbeistand hinzuzuziehen. So können Sie Fehler, die durch Unkenntnis der rechtlichen Verhältnisse entstehen können, vermeiden. Festgelegte Entschädigungssummen für einzelne Mängel gibt es nicht, jeder Einzelfall wird geprüft und bewertet. Einen ersten Anhaltspunkt gibt die sogenannte "Frankfurter Tabelle", in der das Landgericht Frankfurt verschiedene Mängelgattungen und die dazugehörige prozentuale Minderung des Reisepreises zusammengefasst hat.

Außerdem ist es ratsam, sich z.B. im Internet über Präzedenzfälle und -urteile in ähnlichen Situationen zu informieren. Eine gute Übersicht hierfür finden Sie auch beim ADAC.

Fazit: Nur wirkliche Mängel lohnen die Klage

Wenn auf Ihrer Reise Mängel auftreten haben Sie das gute Recht, dass diese beseitigt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen haben Sie die Möglichkeit, nachträglich den Reisepreis zu mindern. Wichtig ist dabei das formal korrekte Vorgehen.

Keine Frage: Der Veranstalter muss die Ihnen zugesagte Leistung erbringen. Aber bevor Sie wegen eher nebensächlicher Mängel zu Ihrem Rechtsanwalt gehen: Fragen Sie sich, ob der Streit um einige Euro wirklich Zeit und Ärger wert ist. Schließlich wollen Sie ja nach der Heimkehr nicht direkt wieder urlaubsreif sein.

 

smavel.com Checkliste: Was tun bei Reisemängeln?
  1. Mangel dem Reiseveranstalter unverzüglich anzeigen und möglichst Frist zur Abhilfe setzen
  2. Beweise sichern: Mängeltagebucherstellen mit Datum, Uhrzeit, Fotos, Zeugen
  3. Nach der Rückkehr: Binnen eines Monats schriftliche Beschwerde per Einschreiben an den Veranstalter senden und Reisepreisminderung verlangen
  4. Gegebenenfalls Rechtsbeistand konsultieren

 


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